Was einen guten Roman ausmacht?

Natürlich ist ein Roman immer Geschmackssache und es spielen viele Faktoren eine Rolle, ob man einen Roman mit Begeisterung liest, nur so – weil man ihn halt angefangen hat – oder doch lieber weglegt, bzw. gar nicht erst kauft.

Da ich momentan gerade Haruki Murakamis „1Q84“, Buch 1+2 mit immerhin 1022 Seiten fast fertig gelesen habe (bin auf Seite 1006) und so total begeistert davon bin, dass ich es kaum erwarten kann, Buch 3 in die Hand zu bekommen, habe ich mal in mich hinein gehorcht und überlegt, tja, was macht nun einen guten Roman aus?

Also bei den ersten Seiten von 1Q84 ging mir folgender Satz durch den Kopf: Mit einem guten Buch verhält es sich wie mit der ersten Liebe. Entweder, es sprühen Funken von Anfang an, oder man lässt es besser sein.

Meines Erachtens nach sind es verschiedene „Zutaten“, die vorhanden sein sollten, damit man gerne am Ball, bzw. am Buch bleibt.

Man nehme …

Zunächst einen roten Faden, der einen so gradlinig durch die Seiten führt, dass man immer wissen will, wie es weitergeht.

Dann schildere man die diversen Protagonisten, so intensiv und lebensnah, dass man sich jederzeit in sie hineinversetzen kann. Ihre Anzahl ist auch von Bedeutung. Sind es zu viele, verliert man leicht den Überblick, denn die wenigsten Leser haben Lust, nebenbei einen Familienstammbaum aufzubauen. Sind es zu wenige, kann die Geschichte eintönig werden oder vorhersehbar.

Ein überzeugender Plot darf natürlich auch nicht fehlen, der mit überraschenden, aber nachvollziehbaren Wendungen aufwartet.

Vergleiche müssen auf den Punkt sitzen. Murakami schreibt z. B. von einer Erscheinung (es geht hier um einen seiner Protagonisten, der eine undurchsichtige Nebenrolle spielt), dieser Mensch sei so bizarr und noch dazu an einem so ungewöhnlichen Ort aufgetreten, „wie ein Tausendfüßler in einer Zuckerdose“.

Last, but not least, ein gutes Lektorat macht die Sache rund und gefällig, mit wenig Fehlern (keine gibt es nicht!), einem guten Aufbau, ggf. weisen Kapitelüberschriften, guter Einteilung. Auch Zitate machen sich manchmal gut.

Covergestaltung und / oder Titel, sollen neugierig machen und die Fantasie anregen. Auch der Klappentext spielt eine wichtige Rolle bei der Kaufentscheidung. Ein Titel, den ich immer super fand, wenn ich auch das Buch bislang nicht lesen mochte, war „Feuchtgebiete“.

Ach ja, fast hätte ich es vergessen: Den perfekten ersten Satz. Den las ich in Kevin Schweikerts „Operation White Angel“: „Der Buchhalter Alexander Schalk war nicht der Meinung, dass es einem Kinde gut tat, in einem schalldichten Kellerraum aufzuwachsen.“

Zum Schluss möchte ich noch erwähnen, was man natürlich nie vergessen darf: Es kommt immer auf die persönliche Situation oder Tagesform des Lesers an, ob er in einen Roman hineinfindet oder nicht. Ob der Roman in diesem Moment zu ihm passt oder nicht.

Ich hatte mal die ersten siebzig Seiten von Donna Tartts Geheimer Geschichte gelesen, das Buch beiseite gelegt und erst Jahre später wieder damit angefangen, es dann sehr, sehr spannend gefunden und in einem Rutsch durchgelesen. In diesem Augenblick hat es halt besser zu mir gepasst, das Buch.

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