Momentaufnahmen von unglaublicher Schönheit beim Eintauchen in fremdes Leben voller Rätsel

★★★★

Emily Ruskovich: Idaho – Erstellungsdatum 08.04.2018

Nimm von meiner Wand dein Bild

Hier wird eine Familientragödie mitten in der amerikanischen Wildnis beschrieben.

Der Mann, Wade, die Frau, Jenny, und die beiden Töchter May und June sammeln draußen Holz für den Winter und stapeln es auf dem Pick-up. Jenny und May machen eine kleine Pause, Jenny auf dem Beifahrersitz und May auf der Rückbank. Jenny tötet ihre Tochter May mit einem Beil. June verschwindet. Wade konnte diese Tat nicht mehr verhindern.

Das ist der Ausgangspunkt dieser wunderschön geschriebenen Geschichte. Die in Vor- und Rückblenden erzählt wird.

Jenny kommt lebenslang ins Gefängnis. Dort lernt sie Elizabeth kennen, die ihre Gedanken nicht erträgt, wenn sie allein ist. S. 126.

Auf Seite 143 bin ich über das tätowierte Hakenkreuz beim alten Autofahrer gestolpert, „… diese stille Gefahr, die überall lauert, selbst in Winterhandschuhen“ …? Was hat man der jungen Autorin über die Deutschen erzählt?

Die Spiele der Puppen fand ich faszinierend, auf den Seiten 168 und 169, so kreativ, lebensnah und herzallerliebst erzählt, es gibt sogar Raub und Entführungen, Beerdigungen etc.

Und Wade heiratet erneut: Ann.

Wer sich nun Aufklärung über die Motive erhofft, die Jenny zu dieser eingangs geschilderten Bluttat getrieben haben, der wird enttäuscht. Auch June bleibt verschwunden.

Von 1973 bis 2025 spannt sich dieser Bogen, so wunderschön erzählt, dass es einen oft sprachlos macht. Das harte Leben auf dem Berg, besonders im Winter, noch dazu mit einem demenzkranken Mann: Ann erduldet alles aus Liebe. Fremdbestimmt, wie sie ist, schlüpft sie mit Haut und Haar in das Leben ihrer Vorgängerin und wird erst am Ende aktiv, ganz aus sich heraus, und mit einer Konsequenz, die man ihr nicht zugetraut hätte.

So schließt sie ab mit dem Leben auf dem Berg und wir schließen mit dieser Lektüre ab: ein wenig ratlos, ein wenig enttäuscht und doch beeindruckt von so viel Wortgewalt.

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